Informieren Sie sich ausführlich über die Kleist-Doppelausstellung in Berlin und Frankfurt (Oder).
MA-Seminar
(Wintersemester 2011; donnerstags, 11.00-13.00 CP 157)
Gibt es bei Kleist immer noch etwas zu entdecken? Oder bleibt es bei eingeübten Jubiläumsritualen für einen kanonischen Autor? Im Kleistjahr 2011 wird es eine Reihe von Veranstaltungen geben, die Kleist 200 Jahre nach seinem Selbstmord gewidmet sein werden. In der Volksrepublik Polen, der DDR und der BRD gab es kaum längere Zeiten, in denen seine Dramen nicht gespielt wurden. In diesen drei Ländern wurde auch seine Prosa immer wieder neuaufgelegt. Kleists politische Dramen wurden und werden jedes Mal heftig diskutiert, insbesondere wenn ihre Aufführungen Verknüpfungspunkte zum jeweiligen politischen Hintergrund aufwiesen bzw. aufweisen. In Debatten um Kleist werden Hitler, Pilsudski, Mickiewicz, Słowacki und viele andere genannt, auch fiktive Figuren und zeitgenössische Schriftsteller. Anhand der polnischen und der deutschen Rezeption werden wir versuchen, diesem kulturellen Phänomen, zu dem Kleist über zwei Jahrhunderte geworden ist, auf die Spur zu kommen.
Literatur: H. v. Kleist: Werke und seine polnischen Übersetzungen; Ergetowski, Ryszard: Recepcja tworczosci Heinricha von Kleista w Polsce, Krakow 1989; Sauerland, Karol: Zur Kleistrezeption in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Haller-Nevermann, Maria / Dieter Rehwinkel (Hg.): Kleist - ein moderner Aufklärer? Göttingen 2005, S. 147-159; Kleist-Jahrbücher.
(November 2011 am Collegium Polonicum Slubice)
Obwohl Heinrich von Kleist sowohl in Deutschland als auch in Polen zum literarischen Kanon gehört, beunruhigt sein Werk immer noch die Rezipenten, es scheint keine Einigkeit unter den Literaturwissenschaftlern, Literaturwissenschaftlerinnen und Regisseuren zu geben. Er war ein strittiger Autor in der Goethezeit, aber auch später während des Nationalsozialismus und nach dem Zweiten Weltkrieg. Man sah in ihm einmal einen preußischen Nationalisten, das andere Mal einen Dekadenten. Bis heute beschäftigt viele sein Selbstmord, den er geplant und durchgeführt hatte, als wäre es eine Inszenierung. In der Prosa zeigt er sich als vorbildlicher Erzähler und Stilist, aber auch als jemand, der bis heute aktuelle Themen aufgegriffen hat, wie den Terror im Namen des Rechts, oder erstaunlich emanzipierte Frauen konzipierte.
Warum ringt man in Debatten um Kleist und bei den Aufführungen seiner Werke so intensiv? Geht es dabei um deren Relektüre im Kontext neuer Macht- oder Geschlechterdiskurse, oder um eine solche Auslegungen seiner Texte, die die Verständnis- und Deutungslücken zu schließen vermögen? Was sagen uns heute all die Politisierungsversuche, denen sich Kleists Texte fügten oder entweichen konnten? Welche Interpretationsmöglichkeiten geben uns polnische Übersetzungen seiner Werke? Welche Schwierigkeiten bereiten sie den Übersetzern und Übersetzerinnen? Soll man ihn neu übersetzen?
Nähere Informationen folgen.
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Die vieluntersuchte Wirkungsgeschichte von Heinrich von Kleist hat einen blinden Fleck: die sogenannten Klassikerausgaben — einfache Volks- oder Lese-Ausgaben. Ihr Erscheinen beginnt nach der Freigabe der Klassiker 1867. Bibliografisch kaum erfaßt, sind sie in Wirklichkeit massenhaft erschienen. Das wird an drei dieser Ausgaben (Einleitung von Monty Jacobs, Rudolf Genée und Karl Siegen) exemplarisch dargestellt, diese sind 30- bis 50fach häufiger erschienen als bekannt.
Klassikerausgaben im nationalen Kulturerbe: Das Beispiel Heinrich von Kleist von Doris Fouquet-Plümacher, Freie Universität Berlin. Die Arbeit kann heruntergeladen oder direkt hier gelesen werden (zum Vergrößern klicken):
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