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Neues Kleist-Jahrbuch 2017 erschienen

Das  "Kleist-Jahrbuch 2017" dokumentiert die Verleihung des Kleist-Preises 2016 mit den Reden der Preisträgerin Yoko Tawada, der Vertrauensperson der Jury Ulrike Ottinger und des Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft Günter Blamberger. Mehr hier ...


Hanns Zischler verleiht den Kleist-Preis 2017 an Ralf Rothmann

Der Kleist-Preis des Jahres 2017 geht an den Schriftsteller Ralf Rothmann, 1953 in Schleswig geboren, aufgewachsen in Oberhausen, seit 1976 in Berlin lebend. Rothmann absolvierte eine Maurerlehre, arbeitete als Fahrer, Koch, Drucker, Krankenpfleger und veröffentlicht seit den 80er Jahren Gedichtbände, Erzählungen und Romane im Suhrkamp-Verlag, die vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurden – u.a. dem Wilhelm-Raabe-Preis, dem Heinrich-Böll-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung oder dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Rothmanns Literatur ist geprägt von autobiographischen Erfahrungen im Ruhrpott und in Berlin, sie kommt aus der Arbeiterschaft, aus dem Kiez, sie ist meisterhaft in ihren lakonischen Alltagsschilderungen und folgt einer Ästhetik des Humanen aus genuin christlicher Verantwortung. Exemplarisch bezeugen das Romane wie Milch und Kohle (2000), Junges Licht  (2004), Feuer brennt nicht (2009) sowie zuletzt Im Frühling sterben (2015), dessen eindringliche Kriegsschilderung die Rezensentin der NZZ, Beatrice von Matt, an Bilder Goyas und an Kleists Poetologie der Unausweichlichkeit erinnerte.

Der Kleist-Preis wird Ralf Rothmann am 19. November 2017 in Berlin verliehen. Die Laudatio hält der Schauspieler, Verleger, Übersetzer und Essayist Hanns Zischler. Er hat – als von der Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft gewählte Vertrauensperson – Ralf Rothmann in alleiniger Verantwortung, der Tradition des Kleist-Preises gemäß, zum Preisträger bestimmt. Die Jury des Kleist-Preises bestand diesmal aus Andrea Bartl (Universität Bamberg), Günter Blamberger (Universität zu Köln), Florian Borchmeyer (Schaubühne Berlin), Gabriele Brandstetter (Freie Universität Berlin), Florian Höllerer (Literarisches Colloquium Berlin), Michael Maar (freier Autor, Berlin)  und Sigrid Weigel (Zentrum für Literaturforschung Berlin).

Der Kleist-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Preisgeld geben die Holtzbrinck Publishing Group, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kultur der Länder Berlin und Brandenburg. Der Kleist-Preis hat eine lange Tradition. In den 10er und 20er des letzten Jahrhunderts wurden u.a. Hans Henny Jahnn, Bertolt Brecht, Robert Musil oder Anna Seghers ausgezeichnet. Nach der Wiederbegründung des Preises 1985 hießen die Preisträger u.a. Alexander Kluge, Thomas Brasch, Heiner Müller, Ernst Jandl, Monika Maron, Herta Müller, Hans Joachim Schädlich, Martin Mosebach, Gert Jonke, Daniel Kehlmann, Wilhelm Genazino, Arnold Stadler, Sibylle Lewitscharoff, Navid Kermani, Marcel Beyer, Monika Rinck und zuletzt Yoko Tawada.


Ulrike Ottinger verlieh den Kleist-Preis 2016 an Yoko Tawada

Yoko Tawada; Foto: Heike Steinweg

Am 20. November fand die alljährliche Verleihung des Kleist-Preises statt. Die Empfängerin war dieses Jahr die deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada. Sie erhielt den Preis im Rahmen einer Matinée im Berliner Ensemble. Arrangiert wurde diese von Claus Peymann, die Texte las der Schauspieler Lars Eidinger, musikalische Begleitung lieferte der Jazz-Pianist Alexander von Schlippenbach. Das Arrangement stand unter dem Motto »Schnee und Eis«: Neben auf der Bühne schmelzenden Eisblöcken wurden mehrere Ausschnitte aus dem Film »Unter Schnee« (2011) von Ulrike Ottinger gezeigt, in dem Yoko Tawada eine Darstellerinnenrolle einnahm. Ottinger, die in diesem Jahr als Vertrauensperson der Jury die Preisträgerin alleinverantwortlich auswählen durfte, hob die Entdeckungsfreude und sprachliche Varianz Yoko Tawadas hervor und präsentierte, wie diese ihr den Weg in neue literarische Formen und Kulturkreise ermöglichte. Prof. Dr. Blamberger konzentrierte sich in seiner Laudatio auf Tawadas Faszination zum Unbegrifflichen und ihre Vorliebe für sprachliche und figurale Transformationen. Frau Tawada selbst lieferte in ihrer Rede ein Plädoyer zur Kulturvermittlung: Auf der Basis ihrer eigenen Lebensgeschichte und mir Rückgriff auf Kleists Michael Kohlhaas zeigte sie auf, dass die moderne Gesellschaft sich durch ein elftes Gebot konstituiert: »Du sollst nicht illegal einreisen«. Sie lobte an Kleist dessen analytische Kraft, gesellschaftliche Instabilitäten gerade im Zustand der Erlösung, nachdem Katastrophen eigentlich ausgestanden sind, darzustellen.

Im Anschluss an die Preisverleihung fand ein Empfang statt, zu dem die Japanischen Botschaft einlud. Der Gesandte Herr Yoshimori Fujiyama übermittelte den Ehrengästen und der Gesellschaft die besten Grüße des Botschafters und erwähnte, dass Bundespräsident Joachim Gauck auf seiner Japanreise die Preisverleihung ebenfalls angesprochen hatte. Die Preisverleihung wurde im Vor- und Nachhinein von einem breiten Medienecho begleitet, mit Artikeln und Berichten im Deutschlandradio Kultur, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem New York Times Magazine und Yomiuri Shimbun, der auflagenstärksten Zeitung der Welt. Die Veranstaltung wurde organisiert von Prof. Blamberger und seinem Assistenten, Dr. Björn Moll.

 

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Kleists Shakespeare - Internationale Jahrestagung der
Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

Vorm 17.–19. November 2016 fand im Berliner LCB die internationale Jahrestagung zu Kleists Shakespeare statt.

Organisiert wurde sie von der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft. Die Tagung fand im Literarischen Colloquium Berlin statt, unweit Kleists Grab am Wannsee. Es sprachen renommierte Kleist- und Shakespeare-Forscher zum Verhältnis der beiden Dichter, etwa die Präsidentin der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft Prof. Dr. Claudia Olk, der Erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft Prof. Dr. Christian Moser, und namhafte Experten wie etwa Prof. Dr. David Wellbery (Chicago), Prof. Dr. Anne Fleig (Berlin), Prof. Dr. Justus Fetscher (Mannheim) oder PD Dr. Michael Ott (Konstanz). Im Zentrum stand besonders das Interesse an Kleist Stück Familie Schroffenstein (1803), das der Autor als Kontrafaktur von Romeo and Juliet (1597) konzipierte. Weitere Themenfelder des Vergleichs war die sprachliche Gestaltung der Texte, die Problematisierung von Recht und Macht, Konfigurationen von queerness oder auch die Verwendung von Komik. Dies rückte auch andere Werke beider Autoren in Vordergrund, etwa das Käthchen von Heilbronn, Prinz Friedrich von Homburg, Amphityron, Michael Kohlhaas, Othello, Measure for Measure, Hamlet und The Merchant of Venice. Die Tagung war mit bis zu 75 Gästen reich besucht. Die Veranstaltung wurde organisiert von Prof. Blamberger und seinem Assistenten, Dr. Björn Moll.

Kleists Shakespeare – Jahrestagung 2016 © Foto: Martin Roussel

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.





Die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft ist eine internationale literarische und wissenschaftliche Vereinigung. Sie sieht ihre Aufgabe darin, das Werk und Leben Kleists durch wissenschaftliche Tagungen und Veröffentlichungen zu erschließen und die in der Gegenwart fortwirkenden Einflüsse seiner Dichtung durch künstlerische, insbesondere literarische Veranstaltungen für eine breitere Öffentlichkeit zu fördern. Die Gesellschaft wurde am 5. Mai 1960 gegründet. Ihr Vereinssitz ist Berlin.