Aktuelles


Ulrike Ottinger verlieh den Kleist-Preis 2016 an Yoko Tawada

Yoko Tawada; Foto: Heike Steinweg

Am 20. November fand die alljährliche Verleihung des Kleist-Preises statt. Die Empfängerin war dieses Jahr die deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada. Sie erhielt den Preis im Rahmen einer Matinée im Berliner Ensemble. Arrangiert wurde diese von Claus Peymann, die Texte las der Schauspieler Lars Eidinger, musikalische Begleitung lieferte der Jazz-Pianist Alexander von Schlippenbach. Das Arrangement stand unter dem Motto »Schnee und Eis«: Neben auf der Bühne schmelzenden Eisblöcken wurden mehrere Ausschnitte aus dem Film »Unter Schnee« (2011) von Ulrike Ottinger gezeigt, in dem Yoko Tawada eine Darstellerinnenrolle einnahm. Ottinger, die in diesem Jahr als Vertrauensperson der Jury die Preisträgerin alleinverantwortlich auswählen durfte, hob die Entdeckungsfreude und sprachliche Varianz Yoko Tawadas hervor und präsentierte, wie diese ihr den Weg in neue literarische Formen und Kulturkreise ermöglichte. Prof. Dr. Blamberger konzentrierte sich in seiner Laudatio auf Tawadas Faszination zum Unbegrifflichen und ihre Vorliebe für sprachliche und figurale Transformationen. Frau Tawada selbst lieferte in ihrer Rede ein Plädoyer zur Kulturvermittlung: Auf der Basis ihrer eigenen Lebensgeschichte und mir Rückgriff auf Kleists Michael Kohlhaas zeigte sie auf, dass die moderne Gesellschaft sich durch ein elftes Gebot konstituiert: »Du sollst nicht illegal einreisen«. Sie lobte an Kleist dessen analytische Kraft, gesellschaftliche Instabilitäten gerade im Zustand der Erlösung, nachdem Katastrophen eigentlich ausgestanden sind, darzustellen.

Im Anschluss an die Preisverleihung fand ein Empfang statt, zu dem die Japanischen Botschaft einlud. Der Gesandte Herr Yoshimori Fujiyama übermittelte den Ehrengästen und der Gesellschaft die besten Grüße des Botschafters und erwähnte, dass Bundespräsident Joachim Gauck auf seiner Japanreise die Preisverleihung ebenfalls angesprochen hatte. Die Preisverleihung wurde im Vor- und Nachhinein von einem breiten Medienecho begleitet, mit Artikeln und Berichten im Deutschlandradio Kultur, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem New York Times Magazine und Yomiuri Shimbun, der auflagenstärksten Zeitung der Welt. Die Veranstaltung wurde organisiert von Prof. Blamberger und seinem Assistenten, Dr. Björn Moll.

 

Weitere Informationen finden sich hier und in der Pressemitteilung des Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, Prof. Dr. Günter Blamberger.


Kleists Shakespeare - Internationale Jahrestagung der
Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

Vorm 17.–19. November 2016 fand im Berliner LCB die internationale Jahrestagung zu Kleists Shakespeare statt.

Organisiert wurde sie von der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft. Die Tagung fand im Literarischen Colloquium Berlin statt, unweit Kleists Grab am Wannsee. Es sprachen renommierte Kleist- und Shakespeare-Forscher zum Verhältnis der beiden Dichter, etwa die Präsidentin der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft Prof. Dr. Claudia Olk, der Erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft Prof. Dr. Christian Moser, und namhafte Experten wie etwa Prof. Dr. David Wellbery (Chicago), Prof. Dr. Anne Fleig (Berlin), Prof. Dr. Justus Fetscher (Mannheim) oder PD Dr. Michael Ott (Konstanz). Im Zentrum stand besonders das Interesse an Kleist Stück Familie Schroffenstein (1803), das der Autor als Kontrafaktur von Romeo and Juliet (1597) konzipierte. Weitere Themenfelder des Vergleichs war die sprachliche Gestaltung der Texte, die Problematisierung von Recht und Macht, Konfigurationen von queerness oder auch die Verwendung von Komik. Dies rückte auch andere Werke beider Autoren in Vordergrund, etwa das Käthchen von Heilbronn, Prinz Friedrich von Homburg, Amphityron, Michael Kohlhaas, Othello, Measure for Measure, Hamlet und The Merchant of Venice. Die Tagung war mit bis zu 75 Gästen reich besucht. Die Veranstaltung wurde organisiert von Prof. Blamberger und seinem Assistenten, Dr. Björn Moll.

Kleists Shakespeare – Jahrestagung 2016 © Foto: Martin Roussel

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.


Neues Jahrbuch 2016 erschienen

Das  "Kleist-Jahrbuch" 2016 dokumentiert die Verleihung des Kleist-Preises 2015 mit den Reden der Preisträgerin Monika Rinck, der Vertrauensperson der Jury Heinrich Detering und des Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft Günter Blamberger. Mehr hier ...




Die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft ist eine internationale literarische und wissenschaftliche Vereinigung. Sie sieht ihre Aufgabe darin, das Werk und Leben Kleists durch wissenschaftliche Tagungen und Veröffentlichungen zu erschließen und die in der Gegenwart fortwirkenden Einflüsse seiner Dichtung durch künstlerische, insbesondere literarische Veranstaltungen für eine breitere Öffentlichkeit zu fördern. Die Gesellschaft wurde am 5. Mai 1960 gegründet. Ihr Vereinssitz ist Berlin.