Sehr geehrte Damen und Herren,
wir leben im Zeitalter der Finanzknappheit. Geld fehlt in wesentlichen, ja essentiellen Bereichen des täglichen Lebens (Kultur!). Und nun sollen 500.000 (!) Euro für die Neugestaltung einer Garbanlage ausgegeben werden. Ich halte dies für völlig unverhältnismäßig und -bei aller Kleist-Sympathie- dem normalen Bürger auch nicht vermittelbar. Die derzeitige Situation vor Ort ist mir bekannt. Ich schätze sehr den verwunschenen Weg und auch das Grab mit seiner Inschrift. Schlicht und doch ergeifend. Ich finde das gesamte Ensemble der Anlage stimmig und würdevoll. Auch der Weg hinab zum Ufer; der Blick über das Wasser und die Vorstellung, wie es damals wohl gewesen sein mag. Sicherlich könnte man an Details feilen, aber alles in allem sage ich: Lassen sie es in den Grundzügen wie es ist (s. auch Beitrag von Herrn Fiebig) und sprechen sie mit der Cornelsen Kulturstiftung über eine kreative und sinnvollere Verwendung des Geldes. In Erinnerung und im Stile dieses großen Mannes, dem es zu gedenken gilt.
Mit freundlichen Grüßen & besten Wünschen
Gerrit Steiner
Sehr geehrte Damen und Herren beider Vorstände,
seit vielen Jahren hat mich die Geschichte des Kleist-Grabes beschäftigt, habe ich mir über die Möglichkeiten einer angemessenen Gestaltung Gedanken gemacht. Ich möchte mich daher auch an diesem Orte zu dem Thema äußern.
a) Überwegung Königstraße - Grab
Zu dieser Problematik ist bereits ausführlich Stellung genommen worden. Herr Ketels hat die wichtigsten Bedenken sehr überzeugend dargestellt, wie sie auch während der Podiumsdiskussion am 19. November d. J. schon von Herrn Immenhausen vorgetragen worden sind. Dem ist nichts hinzuzufügen; ich schließe mich diesen Ausführungen an.
b) Grabgelände
Wenn - wie anzunehmen ist - die geplante Überwegung nicht realisiert
werden kann, sollte ein Teil des von der Cornelsen-Stiftung zur Verfügung gestellten Betrages zur Umgestaltung des Geländes verwendet werden. Unbefriedigend ist vor allem der Eingangsbereich; er müsste repräsentativer, der Würde des Ortes angemessener sein. Horst Schumacher hat in seinem Gutachten von 1988 (Reprint 2010, erschienen im Kleist-Archiv Heilbronn) dazu einen ansprechenden Entwurf geliefert. Ein ebensolcher existiert von ihm für den derzeit ébenfalls wenig befriedigenden Uferbereich. Auch sollte das dort stehende unschöne Schiffahrtsschild einige Meter nach rechts versetzt werden. Als drittes nenne ich den verwilderten Wiesenabhang zum Ufer hin, für den man sich etwas einfallen lassen müsste. Eventuell die Rekonstruktion des von Willy Lange dort angelegten zweiten Weges?
Mit dem Vorschlag von Herrn Ketels, die Senke zwischen Bismarckstraße
und Hügel zuzuschütten, bin ich nicht einverstanden. Durch eine solche
Maßnahme ginge die Gestalt verloren, die der Grabeshügel tief im 19. Jahrhundert infolge der Abgrabungen für den damaligen Ziegeleibetrieb
erhalten hat.
c) Grab und Stein
Auf der Podiumsdiskussion hatte ich mich dafür ausgesprochen, an dem
Grab im engeren Sinne keine eingreifenden Änderungen vorzunehmen,
sondern nur Korrekturen, und zwar in dem Sinne, dass einige Maßnahmen
rückgängig gemacht werden, die den Charakter des Grabes in Richtung auf
eine Gedenkstätte hin verschoben haben: Pflasterung des halben Grabes
mit Steinplatten, Drehung des Steins, Entfernung des Gitters zum Vorplatz hin. Es ist mir nicht entgangen, dass die überwältigende Mehrheit der damals Anwesenden gänzlich anderer Ansicht war. Man wollte einen neuen Stein.
Ohne dass ich meine Position deshalb für falsch halte, trage ich dieser
Situation Rechnung und schlage folgendes vor: Wenn schon ein neuer
Stein, dann bitte einen aus schlesischem Marmor. Das war das Material,
aus dem Max Ring Anfang der 1860er Jahre die vier Pfeiler für die Einfriedigung des Grabes hat anfertigen lassen. In Frage käme auch ein Findling. Diese Idee hörte ich am Rande der Jahrestagung. Eine solche Lösung hätte eine nicht geringe Symbolkraft für sich. Das richtige Geburtsdatum ist der 10. (zehnte) Oktober. Horst Häkers Nachweis ist überzeugend. Das sollte bei der Entscheidung für eine neue Inschrift nicht außer Acht gelassen werden. Das Gitter sollte wieder geschlossen werden; die beiden derzeit auf dem Grab befindlichen Steine sollten ins Märkische Museum kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Eberhard Siebert
Sehr geehrte Damen und Herren,
was das Kleistgrab in Berlin anbelangt, so wohnen, ach, zwei Seelen in meiner Brust:
einerseits würde eine Modernisierung der Örtlichkeiten am Kleinen Wannsee sicherlich mehr Besucher anlocken und Kleist womöglich noch bekannter machen...
Andererseits ist es gerade die Intimität dieses Grabes und seiner Umgebung, die mich immer wieder zu Tränen rührt.
Bei meinen sicherlich mehr als zwanzig Besuchen in den letzten 15 Jahren war ich nur ein einziges Mal nicht der einzige Besucher,
was daran liegt, daß dieses Grab in Reiseführern kaum erwähnt und daher nur Insidern bekannt ist.
Dadurch wird es vom Massentourismus verschont und strahlt eben jene Intimität aus, die ich so schätze - und die durch jedwede Modernisierungsmaßnahme in Mitleidenschaft gezogen würde.
Außerdem, wo in der Bismarckstraße sollten denn etwaige zusätzliche Besucher ihre Autos parken?
Zusammenfassend bin ich der Meinung: lassen Sie Kleists Gebeine weiterhin in Frieden ruhen!
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Fiebig
An den Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft:
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Blamberger,
gestatten Sie mir einige kurze (und natürlich sehr subjektive) Bemerkungen zur Neugestaltung des Kleist-Grabes:
Das ist nun wirklich nur meine Vorstellung. Den Vorschlag des Senatsvertreters, sich erst einmal auf das Grab zu konzentrieren, halte ich für gut. Eine Neugestaltung der gesamten Anlage wäre natürlich wünschenswert, sollte aber sorgfältig überlegt werden. Den alten Zustand möglichst wiederherstellen (kaum möglich) oder eine auf das Grab und den (freudvollen) Tod hinlenkende Gestaltung? Für die Organisation der Jahrestagung, der Verleihung des Kleist-Preises und die gesamte Arbeit des Vorstandes möchte ich Ihnen danken. Für die kommenden Anforderungen wünsche ich Ihnen Kraft und Erfolg.
Mit freundlichem Gruß
Arno Pielenz
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin seit 28 Jahren Bewohner der Bismarckstraße in Berlin-Wannsee und habe die Gelegenheit der Diskussion über die landschaftsplanerische Neugestaltung des Kleistgrabes bzw. seines Umfeldes anlässlich der Tagung am Wochenende in Berlin wahrgenommen. Von dort aus wurde angeregt, dass entsprechende Stellungnahmen und Vorschläge direkt an Sie zu übersenden sind. Diesem möchte ich hiermit nachkommen und hoffe, gewisse Anregungen für die weitere Handhabung der landschaftsplanerischen Gestaltung des Kleistgrabes und seines Umfeldes geben zu können.
Angesichts der hier bestehenden Ortskenntnis habe ich hierzu nachfolgende Bemerkungen, wobei ich grundsätzlich verständlicherweise ein Freund von Einrichtungen neugebildeter Grünflächen bin:
a)
Bei der geplanten Grünfläche handelt es sich um einen recht schmalen Streifen, der von der Bismarckstraße und der in gleicher Höhe befindlichen Bahnstrecke auf der Ostseite, im Norden von der vielbefahrenen Königstraße und im Westen von diversen "Sportclubs", d. h. zwei Rudervereinen, einem Anglerverein und einer nach diesseitiger Kenntnis weiteren Vereinseinrichtung begrenzt ist. Die Rudergebäude haben massive Größen und werden auf der vom Wannsee abgelegenen Seite als "Hinterhof" genutzt, d. h., hier werden Boote abgestellt, Reinigungsmaßnahmen und Bootsrestaurierungen und -erneuerungsmaßnahmen durchgeführt etc. Dass die Vereine dazu zu bewegen sein könnten, diese Fläche nicht mehr in der bisher genutzten Form weiter zu nutzen, dürfte auszuschließen sein. Der Anblick ist nicht erhebend.
b)
Das Gelände ist hügelig und macht es erforderlich, dass die erhebliche Senke, die durch Lehmabbaumaßnahmen im Vorderbereich des Schülerrudervereins entstanden ist, durchschritten werden muss, um dann zum wiederum zum auf einer Anhöhe gelegenen Kleistgrab zu gelangen. Es sind daher nicht unerhebliche Höhenunterschiede zu durchschreiten.
c)
Der gesamte Bereich dürfte sich als äußerst pflegebedürftig darstellen, da er aufgrund der fehlenden Einsichtbarkeit von der Bismarckstraße und der Königstraße her zu entsprechenden "Aktivitäten" von Passanten, Jugendlichen etc. einlädt.
Zweck der Anlegung der Grünanlage soll die Verknüpfung mit dem Kleistgrab sein und bei Begehung eine besondere gefühlsmäßige Einstimmung gewährleisten. Dieser Verknüpfungszweck wird meines Erachtens nicht erreicht werden. Hierzu:
a)
Zunächst ist darauf zu verweisen, dass die in der Nähe des Kleistgrabes befindlichen Parkplätze sich sämtlich in der Bismarckstraße befinden und nicht in der Königstraße, wo gar nicht geparkt werden kann in unmittelbarer Nähe, sondern erst in einiger Entfernung. Es wird davon auszugehen sein, dass Besucher des Kleistgrabes nach Möglichkeit den kürzesten Weg wählen werden.
b)
Aufgrund des hügeligen Geländes wird davon auszugehen sein, dass insbesondere ältere Personen diesen Weg von vornherein nicht wählen werden, da die Höhenunterschiede nicht unerheblich sind.
c)
Die Grünanlage wird durchschnitten durch eine breite Zufahrt zum Schülerruderverein, die zeichnerisch bei dem vorgelegten Entwurf weggelassen wurde. Das Gelände ist somit geteilt.
d)
Die erwünschte "Nachvollziehung" des Weges von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel liegt neben der Sache, weil dieser Weg völlig anders gelegen hat am unmittelbaren Ufer und in nicht unerheblicher Entfernung vom jetzt geplanten Weg und daher keinen Bezug zum tatsächlichen Weg herstellt. Insoweit verweise ich auch auf die Ausführungen von Horst Schumacher in seiner neuesten Veröffentlichung zum Kleistgrab.
e)
Der Anblick der Bootshäuser und der Bahn stimmt nicht auf einen Grabbesuch ein.
f)
Es wird davon auszugehen sein, dass das zuständige Bezirksamt nicht in der Lage sein wird, die Grünfläche angemessen zu unterhalten. Dies galt bisher schon für die relativ kleine Fläche des Kleistgrabes in der bisherigen Form und dürfte sich nicht verbessert zeigen bei einer umfangreichen Neuanlegung der geplanten Grünfläche. Es wird vielmehr davon auszugehen sein, dass hier wie schon in der Vergangenheit bei dem viel kleineren Kleistgrabgelände erhebliche Schmutz- und Unratbelastungen sich ansammeln werden (Vandalismus etc.)
Als Ergebnis der obigen Überlegungen halte ich fest, dass ich davon ausgehe, dass hier eine Einstimmung auf den Besuch eines Grabes(!) nicht stattfinden wird, was zum einen durch die oben beschriebene verkehrliche Situation, zum anderen durch die nahegelegenen Sporteinrichtungen mit damit verbundenen handwerklichen Tätigkeiten verbunden ist. Des Weiteren dürfte eine besinnliche Einstimmung kaum möglich sein bei einer Wegekreuzung durch Sportler und deren Kraftfahrzeuge etc. Auch die Beschreitung der "Senke" vor dem Gebäude des Schülerrudervereins führt nach diesseitiger Ansicht nicht zu einer Einstimmung, die ja durch ein besinnliches Naturerlebnis herbeigeführt werden soll. Die zu vermutende fehlende ordnungsgemäße Instandhaltung und Säuberung der Anlage wird ihr übriges dazu tun, dass der gewünschte Zweck kaum erreichbar sein dürfte. Darüber hinaus dürfte es mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, den Schülerruderverein zu entsprechenden Konzessionen betreffend Einräumung eines Wegerechts oder Abtretung von Grundstücksteilen zu bewegen. Dies ist dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf seit ca. zehn Jahren auch im Rahmen der Neuanlegung der Liebermannvilla nicht gelungen, wo bis zum heutigen Tage der von der Straße aus gesehene linke Grundstücksteil, der zur Herrichtung des Originalgrundstücks und insbesondere der Heckengärten erforderlich ist, nicht der Liebermann-Villa zur Verfügung gestellt werden konnte, vielmehr der dortige Wassersportclub absolute Präferenz für die zuständige Verwaltung zu haben scheint bzw. diese nicht in der Lage ist, diese dringende Frage zu klären (Fertigstellung eines Denkmals mit 80 000 Besuchern jährlich gegenüber einem Verein mit ca. 150 Mitgliedern aber ca. 15 Bootsliegeplätzen).
Als Ergebnis der hiesigen Überlegungen halte ich noch einmal fest, dass ich die gewünschte gefühlsmäßige "Verknüpfung" zwischen Kleistgrab und Grünfläche nicht erkennen kann und diese nach diesseitiger Ansicht auch nicht gelingen wird. Es fehlt an der Homogenität der Gesamtfläche (Kleistgrab und geplante Grünfläche), die angesichts der obigen Besonderheiten nach diesseitiger Ansicht nicht herzustellen ist.
Die Herrichtung des Kleistgrabes angesichts der zur Verfügung gestellten Mittel wird von mir aus sehr begrüßt. Ich könnte mir vorstellen, dass der brachliegende rechte abgesenkte Teil des Kleistgrabes direkt neben dem Zugang von der Bismarckstraße aus aufgeschüttet werden könnte und ein Eingangsbereich im größeren Umfang geschaffen wird, der auch die erforderlichen angemessenen Informationen im Hinblick auf das dort befindliche Grab den Besuchern erteilt. Nach Durchschreiten dieses abzugrenzenden Informationsbereichs und Vorplatzes sollte dann das Grab sein in der Form, wie dies die fachlich zuständigen Personen, die sich bereits intensiv mit der Grabsituation beschäftigt haben, planen. Der Uferbereich sollte zudem wie geplant freigemacht werden und mit einer Aussichtsplattform versehen werden.
Wenn mit dem zur Verfügung stehenden Geld auch sichergestellt werden könnte, dass eine "Grabpflege" im angemessenen Umfang erfolgt, wäre dies vorteilhafter, als Erweiterungsanlagen zu schaffen, deren Zustand sich dann in der Zukunft ebenso darstellen würde wie dies bisher beim Kleistgrab mit seiner Verschmutzung und Verwilderung es bisher der Fall war.
Ich hoffe, mit diesen Ausführungen etwas zu den weiteren Überlegungen beigetragen zu haben und halte es für unbedingt erforderlich, bezüglich der weiteren Planung der Grünfläche innezuhalten und zunächst einmal dafür Sorge zu tragen, dass eine angemessene Instandsetzung des Kleistgrabes mit Errichtung des dem Anliegen angemessenen Informationsbereichs geschaffen wird. Hiermit wäre letztlich allen mehr gedient.
Obwohl ich ein Freund von Grünanlagen und von Begrünung bin, könnte ich mir sogar vorstellen, dass im unmittelbaren Grundstücksbereich an der Ecke Königstraße/Bismarckstraße gegebenenfalls ein Restaurants- bzw. Hotelbetrieb in der Art des früheren Kaiserpavillons errichtet werden könnte unter Inanspruchnahme nur eines Teils des Grundstücks, der Grünfläche werden sollte. Da das Land Berlin dieses Grundstück veräußern könnte, wäre dies nicht nur zur Schuldentilgung für das Land Berlin von Vorteil, sondern es wäre auch zu überlegen, ob der jeweilige Erwerber und Errichter dieser Immobilie bei der Veräußerung mit einer Dienstbarkeit durch das Land Berlin belastet wird, die eine angemessene Pflege und Instandhaltung des Kleistgrabes beinhaltet. Dies dürfte auch im Interesse des Erwerbers liegen, da das Kleistgrab ja ein Denkmal besonderer Art in Berlin ist und zahlreiche Besucher seit nunmehr mehr als zweihundert Jahren anlockt, für den Erwerber ein Punkt besonderen Interesses.
Mit freundlichen Grüßen
Jens-Peter Ketels