Heinrich von Kleist

Porträt Heinrich von Kleists; Kopie eines unbekannten Künstlers nach der Originalminiatur des Peter Friedel (1801) zwischen 1831 und 1837; © Kleist-Museum

Heinrich von Kleist (1777-1811) gilt als Dichter der Wende, als Wegbereiter der literarischen Moderne und ist heute als Verfasser von wirkungsmächtigen Dramen, Erzählungen und Lustspielen wie Das Käthchen von Heilbronn, Michael Kohlhaas oder Der zerbrochne Krug bekannt. Aus einem altadligen Geschlecht herkommend, vollzog sich für Kleist ein wechselvoller, aber tragischer Lebensweg. Während die Werke zu Lebzeiten des Dichters z. T. auf Ablehnung und herbe Kritik stießen und dessen Wirkungsmöglichkeiten vergleichsweise gering waren, zählt Kleist 200 Jahre nach seinem Freitod zu den größten Autoren deutscher Sprache. In einer wechselvollen Rezeptionsgeschichte gewann das literarische Erbe Heinrich von Kleists an allgemeiner Popularität und vor allem an Interesse in der Wissenschaft und Kunst. 


Kleist, Heinrich von. Penthesilea. Ein Trauerspiel.
Tübingen, im Verlag der Cottaischen Buchhandlung und gedruckt in Dresden bei Gärtner [1810].

Nach der Veröffentlichung einzelner Szenen in der Zeitschrift Phöbus erschien im Juli 1808 in einer Auflage von 750 Exemplaren der Erstdruck der Penthesilea. Die Schauspielerin Henriette Hendel-Schütz stellte 1811 einzelne Szenen aus der Penthesilea pantomimisch dar. Die Uraufführung des Stückes, das der zeitgenössischen Kritik als ein „genialisches Ärgernis“ galt, fand erst am 25. April 1876 in Berlin statt.
Das Exemplar des Kleist-Museums stammt aus dem Besitz von Walter Rathenau (1867-1922), der Opfer eines politischen Attentats wurde. Rathenaus Mutter übergab den Band später an Edwin Redslob (1884-1973), Reichskunstwart während der Weimarer Republik.

 


Ewald Christian von Kleist

Porträt Ewald Christian von Kleists; © Kleist-Museum

Ewald Christian von Kleist, 1715 auf dem väterlichen Gut Zeblin bei Köslin in Pommern geboren, besuchte das Gymnasium in Danzig sowie die Universität in Königsberg und diente ab 1736 als dänischer Offizier. 1741 trat Kleist in die preußische Armee als Secondelieutnant in das Infanterieregiment Nr. 35 des Prinzen Heinrich von Preußen in Potsdam ein. Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der zu jener Zeit in Potsdam lebte, weckte zuerst dessen dichterische Begabung. Als Hauptwerk Kleists, der Freundschaften mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Karl Wilhelm Ramler, Friedrich Nicolai und Gotthold Ephraim Lessing pflegte, gilt die in Hexametern abgefasste Idylle Der Frühling (1749). 1756 wurde Ewald Christian von Kleist, der u. a. am 2. Schlesischen Krieg teilgenommen hatte, zum Major befördert. Im gleichen Jahr erschien sein Band Gedichte von dem Verfasser des Frühlings. In Leipzig, wo er zum Direktor eines Feldlazaretts ernannt wurde, begann der Lyriker der Aufklärung mit der Arbeit an seinem kleinen Epos Cissides und Pache. Im Mai 1758 folgte Kleist dem Korps des Prinzen Heinrich, das die Reichsarmee bis hinter Hof zurücktrieb. In der Schlacht bei Kunersdorf am 12. August 1759, in der Friedrich II. seine schwerste Niederlage im Siebenjährigen Krieg erlitt, wurde Kleist schwer verwundet. Auf Befehl eines russischen Offiziers brachte man Kleist nach Frankfurt (Oder), wo er am 24. August 1759 im Haus von Gottlob Samuel Nicolai seinen Verletzungen erlag. Ewald Christian von Kleist wurde von der russischen Garnison auf dem nördlichen Teil des Friedhofs am Hospital Sankt Spiritus ehrenvoll beigesetzt. 


[Kleist, Ewald Christian von]. Der Frühling. Ein Gedicht.
Nebst einem Anhange einiger anderer Gedichte von demselben Verfasser.
Verbesserte Auflage. Frankfurt 1764.
Mit einem Titelkupfer von Joh[ann] Martin Bernigeroth.

 
Unter dem Einfluss von James Thomsons Season, Barthold Heinrich Brockes Irdischem Vergnügen in Gott und Albrecht Hallers Alpen schuf Ewald Christian von Kleist (1715-1759) seinen Frühling. Zwischen 1746 und 1749 entstand dieser Spaziergang durch die Natur, geplant als ein die Jahreszeiten umfassendes Poem.
Auf dem Innendeckel dieses Exemplars befindet sich eine handschriftliche Eintragung in französischer Sprache über das von Christian Bernhard Rode geschaffene Gedenkbild in der Berliner Garnisonskirche. Das Gemälde entstand im Auftrage von Johann Wilhelm Ludwig Gleim und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.


Franz Alexander von Kleist

Porträt Franz Alexander von Kleists; © Kleist-Museum

Von den Dichtern mit dem Namen „Kleist“ ist Franz Alexander von Kleist (1769-1797) heute am wenigsten bekannt. Während seiner Militärzeit in Halberstadt traf er auf Johann Ludwig Gleim und begann hier sein literarisches Schaffen. Bereits 1790 nahm er seinen Abschied vom Militär und war als Legationsrat in Berlin tätig. Nach seiner Heirat mit Albertine von Jungk trat er aus dem Staatsdienst aus und zog auf das Gut Falkenhagen, unweit von Frankfurt (Oder).
Hauptthemen der aufklärerischen Lehrgedichte Franz Alexander von Kleists waren Liebe und Ehe, sie sind von kulturgeschichtlichem Interesse, da in ihnen teilweise Aspekte der Romantik vorweggenommen werden.


Franz [Alexander] von Kleist. Liebe und Ehe in drei Gesängen.
Berlin, Vieweg [1796].

Der Band enthält An Minnona, Das Glück der Liebe und Das Glück der Ehe.
Das Titelkupfer zu Das Glück der Ehe, gestochen von Friedrich Wilhelm Bollinger nach einer Zeichnung von Wilhelm Jury, zeigt Franz Alexander von Kleist, seine Frau und die beiden Kinder auf einem Sofa.



Friedrich de la Motte Fouqué

Porträt Friedrich de la Motte Fouqués; © Kleist-Museum

Einer altadligen französischen Hugenottenfamilie aus Brandenburg an der Havel entstammend, trat Fouqué frühzeitig der preußischen Armee bei. Bekannt geworden ist Fouqué, der am Rheinfeldzug von 1794 sowie 1813 bis 1815 als Leutnant und Rittmeister bei den freiwilligen Jägern an den Schlachten des Befreiungskrieges teilnahm, als Verfasser von Schriften wie Dramatische Spiele (1804), Romanzen vom Thal Ronceval (1805), Alwin (1808), Undine (1811) oder der Ritterromane Der Zauberring (1813) und Die Fahrten Thiodulfs, des Isländers (1815). Gefördert durch August Wilhelm Schlegel, schrieb der Dichter der Romantik zeitweilig unter den Pseudonymen Pellegrin und A.L.T. Frank. Fouqué verfasste u. a. Beiträge für das von Heinrich von Kleist herausgegebenen Journal Phöbus sowie für die Berliner Abendblätter. 1803 heiratete Fouqué die Schriftstellerin Caroline von Rochow.


Fouqué, Friedrich de la Motte. Sigurd, der Schlangentödter. Ein Heldenspiel in sechs Abentheuren. Berlin, Hitzig 1808.
Die Zeichnung auf dem Titelblatt schuf der Berliner Historienmaler Karl Wilhelm Kolbe d.J.

Das Heldenspiel ist die erste Veröffentlichung Fouqués (1777-1843) unter seinem Namen, alle vorigen Veröffentlichungen erschienen unter dem Pseudonym Pellegrin.
Sigurd der Schlangentödter ist der erste Teil der späteren Dramentrilogie Der Held des Nordens (Sigurd der Schlangentödter, Sigurds Rache, Aslauga). Das aus der nordischen Mythologie geschöpfte Drama fand unter den Zeitgenossen viel Anerkennung und gilt als Vorbild für Richard Wagners Ring des Nibelungen, auch in der Verwendung des germanischen Stabreims.


Caroline de la Motte Fouqué

Porträt Caroline de la Motte Fouqués; Unbekannte Kopie, ca. 1805; © Kleist-Museum

Caroline Philippine de la Motte Fouqué, geb. von Briest – beschrieben als geistvoll und von schönem Äußeren –, heiratete sechszehnjährig den Leutnant der Garde du Corps, Friedrich Ehrenreich Adolph Ludwig Rochus von Rochow. Die Ehe scheiterte. 1799 kehrte Caroline mit ihren Kindern auf das elterliche Gut Nennhausen bei Rathenow zurück und heiratete im Januar 1803 den ehemaligen Leutnant des 6. Kürassierregiments Friedrich de la Motte Fouqué. Wie ihr Ehemann so hatte auch Caroline nach der Hochzeit begonnen, literarische Texte zu veröffentlichen, womit sie zu den wenigen Frauen ihrer Zeit und ihres Standes gehörte, die neben den häuslichen und repräsentativen Pflichten einer weiteren Beschäftigung nachgingen. Caroline de la Motte Fouqué verfasste ca. 20 Romane, 60 Erzählungen, Gedichte, theoretische Abhandlungen sowie kulturhistorische Essays und veröffentlichte diese z. T. anonym, wie z. B. den Anti-Bildungsroman Rodrich, oder unter dem Pseudonym Serena . Zum umfassenden Werk der Schriftstellerin der Romantik zählen Arbeiten wie Drei Mährchen (1806), Feodora (1814), Frauenliebe (1818) oder Die graue Maske (1829). Als ihr Hauptwerk gilt Geschichte der Moden, vom Jahre 1785 bis 1829. Als Beytrag zur Geschichte der Zeit (1829/30).


Fouqué, Caroline Bar[onin] de la Motte. Feodora. Ein Roman.
Erster Band. Wien, Haassche Buchhandlung 1815.


Caroline de la Motte Fouqué (1775-1831) gehört zu den Autorinnen des frühen 19. Jahrhunderts, die heute wiederentdeckt werden. „[...] unter der Anleitung ihres Gatten gelang es ihr, ein vielversprechendes Talent erfreulich auszubilden, so dass die Produkte ihrer Feder sich durch Phantasie und Gewandtheit in ihrer Darstellung vorteilhaft auszeichnen“, heißt es im Damen Conversations Lexikon. Sie schrieb neben Reisebeschreibungen und Essays zahlreiche Erzählungen und Romane. Zu den erfolgreichsten gehören die autobiographischen Romane Die Frau des Falkensteins und Feodora.