Ausstellungen im Kleist-Museum und anderswo 2012


Meine liebste Wilhelmine – Wilhelmine von Zenge, Kleist und Krug

Wilhelmine von Zenge, um 1800, Künstler unbekannt

Ausstellungsdauer: 18. Oktober bis 25. November 2012

Wilhelmine von Zenge, 1780 in Berlin geboren, zog 1799 als Tochter des Frankfurter Garnisonskommandanten Generalmajor Hartmann von Zenge in Kleists unmittelbare Nachbarschaft, das Kommandantenhaus im Nonnenwinkel. Wer war diese Frau, die von Sommer 1800 bis Mai 1802 Kleists Verlobte war. Und wie verlief ihr Leben nach Kleists kühler schriftlicher Entlobung, die er ihr erst auf ihre anrührende Nachfrage am 20. Mai aus seinem Schweizer Refugium schickte? Die Studio-Ausstellung versucht anhand von Original-Briefen und wenigen Dokumenten Antwort auf die Frage nach Wilhelmine von Zenges Lebenslauf bis 1806 zu geben. Spuren ihres weiteren Lebens, darunter ein spektakulärer neuer Brieffund, zeigt dann im nächsten Jahr Teil 2 dieser Wilhelmine von Zenge gewidmeten Ausstellung.

Kuratoren: Anette Handke und Hans-Jürgen Rehfeld


Ich will ein Bauer werden. Heinrich von Kleist und die Schweiz

Gemälde von Marquard Wocher © Kunstmuseum Thun

Ausstellungsdauer: 26. Februar bis 25. November 2012
Vernissage: 25. Februar, 16 Uhr

"Ich will im eigentlichsten Verstande ein Bauer werden", schrieb Heinrich von Kleist am 10. Oktober 1801 an Wilhelmine von Zenge und lud sie ein, das Landleben mit ihm zu teilen. Als Landmann in der Schweiz wollte er seiner Verlobten "zeigen, welch' ein Glück uns bevorsteht, an das kein anderes reicht". Es ist anders gekommen.
Seit Ende 1801 bereiste Heinrich von Kleist die Schweiz. Die obere Aare-Insel in Thun am Rand des Berner Oberlands sollte seine neue Heimat werden, hier wollte er seinen Traum in der Nachfolge Rousseaus verwirklichen.
Obwohl dieses – von vornherein unrealistische – Experiment scheiterte, war Kleists Schweizer Zeit doch überaus bedeutsam für seinen weiteren Werdegang als Dichter: Hier vollendete er seinen Erstling "Die Familie Schroffenstein", und im "Dichter-Wettstreit" mit seinen Berner Freunden Zschokke, Wieland und Gessner nahmen die Ideen für das Lustspiel "Der zerbrochne Krug" Form an.

Die von Anett Lütteken, Leiterin der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich und Philipp Burkard, Leiter der Kulturabteilung der Stadt Thun kuratierte Ausstellung zeigt den historischen und literarischen Kontext von Kleists Aufenthalt auf dem Thuner „Inseli“ ebenso wie dessen kreative Rezeption in Literatur, Malerei und Musik. Nach Stationen im Schlossmuseum Thun und im Strauhof Zürich kommt die Ausstellung jetzt für 9 Monate in die Kleist-Stadt Frankfurt (Oder).

Eine Ausstellung des Museums Strauhof in Zusammenarbeit mit dem Schlossmuseum Thun und dem Kleist-Museum, Frankfurt (Oder).

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia

bisherige Ausstellungsorte:


Die Kleist-WG. Ein internationales Schüler-Kunst-Projekt

Ausstellungsdauer: bis 20. Oktober 2012

Dort, wo sich einst Kleists Geburtshaus befand, haben Schüler und Jugendliche unter Leitung von Christina Dalchau in einer leergezogenen Büroetage ein temporäres Kunstprojekt initiiert und die "Kleist-WG" gegründet. Ein ganzes Schuljahr lang setzten sie sich künstlerisch mit Heinrich von Kleist, seiner Biografie und seinem Werk, seinem Ruhm und seinem Scheitern auseinander. Seit 1. September 2010 sind die Arbeitsergebnisse an historischem Ort, in der Großen Oderstraße 26/27, zu sehen. Entstanden ist eine zweite, kreativ mit Leben, Werk und Wirkung des Dichters spielende Frankfurter Ausstellung, die den Besuchern manchmal geradezu verblüffende Einsichten vermittelt und in jedem Fall Lust macht, sich endlich einmal oder auch einmal wieder intensiv mit dem berühmtesten Sohn der Stadt Frankfurt an der Oder auseinander zu setzen. mehr

Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, von der Sparkasse Oder-Spree, der Wohnungswirtschaft (Wo-Wi), der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft FWA, den Stadtwerken und der Stadt Frankfurt (Oder).


Lieber Voltaire als Goethe? Friedrich II und die deutsche Literatur seiner Zeit

Ausstellungsdauer: 7. September bis 14. Oktober 2012

Französisch oder Deutsch – diese Frage wurde zu Lebzeiten Friedrich II. diskutiert. Der König selbst sprach und schrieb lieber und besser die Sprache der Nachbarn. Dennoch beschäftigte er sich mit seiner Muttersprache, veröffentlichte eine Untersuchung über die deutsche Literatur – natürlich in Französisch – und ignorierte die deutschen Schriftsteller seiner seiner Zeit. In einer Studio-Ausstellung anlässlich des Jubiläumsjahres Friedrich 300 stellt das Kleist-Museum einige dieser vom preußischen König missachteten Autoren vor. Den Mittelpunkt der Ausstellung aber bildet ein Autograph des "Alten Fritz": ein in deutscher (!) Sprache geschriebener Brief des Königs an seinen Neffen Leopold von Braunschweig, den Erbauer der Frankfurter Garnisonschule, das heutige Kleist-Museum. Der Brief befindet sich im Besitz unseres Hauses und wird erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert.

Kurator: Hans-Jürgen Rehfeld                                              


Ein freier, denkender Mensch... Heinrich von Kleist 1777 - 1811

Blick in die Ausstellung

Ausstellungsdauer: 20. Oktober 2011 bis 9. April 2012
Vernissage: 19. Oktober 2012, 18 Uhr

Ort: Österreichisches Theatermuseum, Wien

Die Ausstellung zeigt Kleist als entscheidungsmutigen und konsequenten Menschen, der trotz zahlreicher Hindernisse und Selbstzweifel den eigenen Lebensplan und -anspruch nicht aufgibt. Leitmotiv sind die Selbstäußerungen Kleists in seinen Briefen, in all ihrer Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit. Das Bild des Dichters wird ergänzt mit Exkursen zu einigen seiner Dramen, u.a. dem am 17. März 1810 im Theater an der Wien uraufgeführten „Käthchen von Heilbronn“, und mit Beispielen seiner journalistischen Tätigkeit als Herausgeber und Autor der ersten Boulevard- und Tageszeitung Berlins. Die Exponate reichen vom Autographen des „Zerbrochnen Krugs“ (Staatsbibliothek zu Berlin), über wertvolle Handschriften aus Wiener und Frankfurter Beständen, das Kirchenbuch der Garnison Frankfurt (Oder) mit dem Taufeintrag Heinrich von Kleists (Geheimes Staatsarchiv, Berlin) und das Kirchenbuch mit Kleists Todeseintrag (Kirchgemeinde Stahnsdorf) bis zu Kunst zu Kleist aus der Sammlung des Kleist-Museums. 

Kuratoren: Anette Handke und Andreas Kugler
Gestaltung: Gerhard Veigel

Eine Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums in Kooperation mit dem Kleist-Museum, Frankfurt (Oder). 


Käthe Kollwitz – Ein Weberaufstand

Ausstellungsdauer: 3. Februar bis 1. April 2012
Vernissage: 3. Februar 2012, 19 Uhr

Als Käthe Kollwitz erstmalig mit Gerhart Hauptmann in Kontakt kam, war sie 16 Jahre alt. Auf einer Berlinreise begegnete sie dem jungen Schriftsteller, sie war sowohl von ihm als auch dem gesamten künstlerischen Leben in der großen Stadt fasziniert. In den "Webern" begegneten sich die beiden Künstler mehr als 30 Jahre später auf Augenhöhe: 1917 wurden "Die Weber" und Kollwitz' durch Gerhart Hauptmann inspirierter Bilderzyklus "Ein Weberaufstand" in einer Buchpublikation herausgegeben. Der Zyklus besteht aus sechs Radierungen und wird nach Stationen auf Hiddensee und in Erkner nun im Kleist-Museum gezeigt. Wir danken dem Kupferstichkabinett des Staatlichen Museums Schwerin für die Leihgabe.

Gefördert durch die ALG-Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Ingeborg Voss – Berliner Theaterwelten

Ingeborg Voss, Penthesilea

Ausstellungsdauer: 21. Januar bis 26. Februar 2012
Vernissage: 20. Januar 2012, 19 Uhr
Ort: Alte Feuerwache, Eichwalde

Ohne die Künstlerin Ingeborg Voss ist die Berliner Theaterlandschaft der letzten fünfzig Jahre schwer vorstellbar. Ihre auf das Wesentliche reduzierten Zeichnungen zeigen Schauspielerinnen und Schauspieler in Stücken u. a. von Shakespeare, Goethe und Kleist. "Penthesilea", "Die Familie Schroffenstein", "Der zerbrochne Krug" und "Das Käthchen von Heilbronn" gehören zu den ausgestellten Arbeiten, wie auch "Ein Sommernachtstraum" an der Komischen Oper, "Faust" am Deutschen Theater und "Der Rosenkavalier" an der Staatsoper.

Eine Ausstellung der Gemeinde Eichwalde in Kooperation mit dem Kleist-Museum, Frankfurt (Oder) und dem Kind & Kegel e. V.


Kleist: Krise und Experiment

Raum "Kleists Bild"; Foto: Ali Ghandtschi

Ausstellungsdauer: 22. Mai 2011 bis 29. Januar 2012
Vernissage: 22. Mai 2012, 11 Uhr
Berliner Ausstellung im Ephraim-Palais: Vernissage 20. Mai 2012, 18 Uhr

Die Ausstellung inszeniert die Persönlichkeit sowie das Leben und Werk des Dichters zeitgleich an den zwei Orten, die für sein Leben bedeutungsvoll waren: Frankfurt (Oder) und Berlin. Zwischen diesen beiden Polen von Geburt und Tod erstreckte sich das wechselvolle Leben Kleists voller Krisen und Katastrophen. Er begegnete ihnen mit zahlreichen Experimenten sich ständig wechselnder Lebensentwürfe und innovativer Projekte. Als Mensch war er dabei schonungslos gegen sich und seine Mitmenschen, als Schriftsteller radikal in seinem Formwillen. Die Protagonisten seiner literarischen Werke agieren frei von melancholischer Grübelei und scheitern letztlich an der Realität. Genau das macht Kleist bis heute so attraktiv. Die Ausstellung stellt dem Besucher die Kleistsche Welt durch assoziative Bilder und Installationen vor – in ihrer Emotionalität, Zerrissenheit und vor allem in ihrem Bezug zur heutigen Welt. Die Szenografie der Ausstellung arbeitet mit bühnenbildartigen Aufbauten, kombiniert mit Künstlerarbeiten, Originalexponaten und Handschriften von Kleist und seinen Zeitgenossen.

Kuratoren: Günter Blamberger, Stefan Iglhaut

Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.
Ein Gemeinschaftsprojekt der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, des Kleist-Museums und der Stiftung Stadtmuseum Berlin.


Was für ein Kerl! – Heinrich von Kleist im "Dritten Reich"

Arno Breker, Ajax; © Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: noch bis 15. Januar 2012
Ort: Universität Kassel, Institut für Germanistik

2008 veranstalteten die Stiftung Schloss Neuhardenberg und das
Kleist-Museum eine umfassende kulturhistorische Ausstellung zur Kleist-Rezeption im Nationalsozialismus. Über 300 Exponate (Briefe, Bücher, Gemälde, Plakate, Bühnenbildentwürfe und Filmausschnitte) machten das Ausmaß der Vereinnahmung Kleists deutlich. Eine Tafelausstellung dokumentiert die überaus erfolgreiche, bundesweit wahrgenommene Exposition.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg.