Ausstellungen im Kleist-Museum und anderswo 2017


Friedrich Wilhelm August Schmidt, genannt Schmidt von Werneuchen

Schmidt von Werneuchen, Ölporträt, um 1800, Künstler unbekannt; © Gleimhaus Halberstadt

Ausstellungsdauer: 11. Juli bis 27. August 2017

Friedrich Wilhelm August Schmidt (1764-1838) gehört zu den einst populären, heute nahezu vergessenen Dichtern der Mark. Der in Fahrland geborene Pfarrerssohn verlor früh seinen Vater und wurde seit seinem 9. Lebensjahr in einem Waisenhaus erzogen, studierte Theologie in Halle und bekam schon mit 22 Jahren eine Stelle als Militärgeistlicher in Berlin. Ihn aber zog es auf's Land, 1795 konnte er glücklich die Pfarre in Werneuchen übernehmen. In seiner Dichtung schildert Schmidt in sorgsamer Kleinmalerei das von ihm geschätzte Landleben, den Wechsel der Jahreszeiten, das Glück häuslicher Zufriedenheit sowie Garten, Feld und Flur in seinem geliebten Werneuchen. Aus Anlass der Premiere des F.W.A. Schmidt gewidmeten 60. Frankfurter Buntbuches, das Günter de Bruyn schrieb, zeigen wir im alten Veranstaltungsraum eine kleine Ausstellung mit Bildern und Texten von und über den Dichterpfarrer aus der Mark.     

Kurator: Hans-Jürgen Rehfeld


Kleist und die Religion.
Bilder von Ideen und ihren Folgen

Hagen Klennert: Dichter
und Weltordnung, 2016,
(Ausschnitt),
© Archiv Anke Zeisler

Ausstellungsdauer: 24. Juni bis 27. August 2017

Das Lutherjahr 2017 ist für das Kleist-Museum Anlass, Heinrich von Kleists Leben und Werk auf Religion und das Nachwirken Luthers zu befragen.
kunst projekte e.v. widmet sich dem Lutherjahr mit Kunst-Ausstellungen zum weitgreifenden Thema Bilder von Ideen und ihren Folgen an vier Ausstellungsorten. Die Expositionen hier und in Strausberg, Frankenthal (Pfalz) und der Frankfurter Marienkirche werden in dem Band Luther und Babylon: Kleist und die Religion begleitet und dokumentiert. Im Kleist-Museum zeigen Bildende Künstler Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit Kleists Erzählung Michael Kohlhaas und der darin gestalteten Luther-Figur einerseits und mit Kleists Leben andererseits, wobei Assoziationen zu Kleists Religiosität einen neuen Aspekt bilden. Dazu finden wir Werke von Heinrich Bethke, Dieter Goltzsche, Hans-Hendrik Grimmling, Helge Leiberg und Heidi Vogel. Die Bildner Birgit Bellmann, Frank Diersch, Jürgen K. Hultenreich, Kai Klahre, Hagen Klennert, Harald-Alexander Klimek, Jürgen Köhler, Sophie Natuschke, Erika Stürmer-Alex und Ruth Tesmar schufen – angeregt von der Thematik – Neues. Als Ausdruck ihres persönlichen Blicks, der auch durch die Ereignisse des Heute hindurchgeht, beziehen ihre Kunstwerke jene Frische und Spannung, die Ideen, Ereignisse und Zeiten gedanklich korrespondieren lassen und damit auch unseren Blick befragen und vielleicht erneuern können.

Kuratorin: Anke Zeisler

Vernissage: Freitag, 23. Juni, 19 Uhr

Ein Projekt von kunst projekte e.v. in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturland Brandenburg 2017 "Wort und Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg", der Stadt Frankfurt (Oder) und der Sparkasse Märkisch-Oderland.

Gefördert durch:


Verdächtiges Subjekt: Henry de Kleyst
Die Ausstellung zum Bild

Henry de Kleyst (Gefangenschaftsbild)
unbekannter Künstler, 1807

Ausstellungsdauer: 2. April bis 11. Juni

Eine der wohl am häufigsten gestellten Fragen zu Heinrich von Kleist ist: Wie sah der Dichter tatsächlich aus? Ab 2. April zeigt das Kleist-Museum eine mögliche Antwort: Das so genannte Gefangenschaftsbild Kleists, 1807 in Frankreich gemalt, versehen mit der Aufschrift "Henry de Kleyst, Poète Prussien".

Wegen der Machart des Bildes wird ein Mitgefangener als Porträtist vermutet. Die Wege der Bildüberlieferung sind nur zum Teil bekannt, in jedem Falle wurde das Bild 1938 von der Stadt Frankfurt (Oder) für das Kleist-Museum gekauft. In Kriegs- und Nachkriegszeiten gelangte es nach Marbach und war danach einmal "zu Besuch" in Frankfurt. Jetzt wird das Bild vom Deutschen Literaturarchiv Marbach an die Geburtsstadt des Dichters zurückgegeben, die es dem Kleist-Museum überlässt.

Die Ausstellung zum Bild zeigt als Reise in die Vergangenheit ausgewählte Porträts Heinrich von Kleists von der Gegenwart bis zum so genannten Gefangenschaftsbild. Bilder von Künstlern wie Max Schwimmer, Gerhard Wienckowski, Erika Stürmer-Alex, Wieland Förster und Max Slevogt, die allesamt aus dem Bestand des Kleist-Museums stammen, repräsentieren zugleich einen Sammlungsschwerpunkt des Hauses, der durch das Gefangenschaftsbild einen bedeutenden Schatz dazugewinnt.

Vernissage: So, 2. April, 11 Uhr

Kuratorin: Manuela Kalk

Ausstellungsgestaltung: Frank Käubler


Peter Schlemihl. Die Geschichte eines Buches

Adelbert von Chamisso, Künstler unbekannt, um 1800; (c) Stiftung Stadtmuseum Berlin

Ausstellungsdauer:  17. März bis 14. Mai 2017
Ausstellungsort: Gerhart Hauptmann Museum Erkner

Nach Stationen im Kleist-Museum, dem Kunersdorfer Musenhof, der Königlichen Bibliothek Kopenhagen, auf Schloss Nennhausen und Schloss Freienwalde und zuletzt im Dominikanerkloster Prenzlau wird die Chamisso-Ausstellung im Frühjahr im Gerhart Hauptmann Museum Erkner gezeigt. Der 1781 auf Schloss Boncourt in Frankreich geborene Adelbert von Chamisso ist eine in der deutschen Geistesgeschichte einzigartige Gestalt: französischer Aristokrat, Émigré, preußischer Offizier, Literat der Berliner Romantik, Naturforscher, Botaniker, Zoologe, Anthropologe, Ethnograph und Linguist, vor allem aber Schöpfer eines Werkes der Weltliteratur. Peter Schlemihl´s wundersame Geschichte entstand zum Teil im Sommer 1813 im Oderbruch, wo Chamisso als Gast der Familie von Itzenplitz weilte. Die in über vierzig Sprachen übersetzte, weltberühmte Erzählung über den Mann, der seinen Schatten verkauft, steht im Zentrum dieser temporären Ausstellung.

Vernissage: Donnerstag, 16. März, 19 Uhr

Kuratoren: Bernd Ballmann, Jutta Weber und Hans-Jürgen Rehfeld

Ort: Gerhart Hauptmann Museum Erkner, Gerhart-Hauptmann-Straße 1-2, 15337 Erkner

Besichtigungszeiten: Di bis So, 11 bis 17 Uhr; Eintritt: 2 Euro

Eine gemeinsame Ausstellung von Kleist-Museum, Chamisso-Gesellschaft e.V., Kunersdorfer Musenhof und Hauptmann Museum Erkner.


Vernetzte Köpfe. Gleim – Goethe – Kleist.
Porträts einer Epoche von Stephan Klenner-Otto

Stephan Klenner-Otto: Kleist

Ausstellungsdauer: 5. Februar bis 19. März 2017

Was verbindet den Dichter und Aufklärer Johann Ludwig Wilhelm Gleim (1719-1803) aus Halberstadt mit dem Weimarer Klassiker Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und dem Brandenburger Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist (1777-1811)? Alle drei Autoren waren nicht nur auf vielfältige Weise in die literarischen Netzwerke der Zeit eingebunden, sondern widmeten jeder auf seine Art bewusst viel Lebenszeit der Kontaktaufnahme mit ausgesuchten Zeitgenossen. Inspiriert von der Netzwerkbildung um 1800 haben sich drei Literatur- und Kulturgeschichtsmuseen zur Gemeinschaftsausstellung verbunden. Nach der Eröffnung im Goethe-Museum Düsseldorf und der Präsentation im Gleimhaus Halberstadt zeigt das Kleist-Museum jetzt Vernetzte Köpfe aus der Kleistschen Perspektive. Als Kleist 1801 „Vater Gleim“ aufsuchte, war dieser bekannt für seine reiche Sammlung an Kontakten, denen er zudem in einem „Freundschaftstempel“ mit Porträts ein eigenes Denkmal errichtet hatte. Die Einstellung des „Übervaters“ Goethe zu Kleist war bekanntlich ambivalent. Er brachte den Zerbrochnen Krug zur – völlig missglückten – Aufführung und fand in Kleist „etwas Unschönes in der Natur, ein Beängstigendes“. Im Kleist-Museum befinden sich die vernetzten Köpfe nun auf Augenhöhe – und Auge in Auge mit dem Betrachter… Der preisgekrönte oberfränkische Zeichner und Drucker Stephan Klenner-Otto ist seit Jahrzehnten auf Arbeiten zur Literaturgeschichte spezialisiert. Klenner-Otto greift die historische Porträtüberlieferung auf, verfremdet sie und entwickelt dabei eine eigenständige moderne Interpretation der Bildnisse. Seine eigenwilligen und bisweilen skurrilen Interpretationen historischer Porträts im Stil eines phantastischen Realismus verleihen der Literatur- und Kulturgeschichte der Zeit um 1800 ein neues Gesicht.

Vernissage: Sonntag, 5. Februar, 11 Uhr

Ein gemeinsames Projekt von Gleimhaus Halberstadt, Goethe-Museum Düsseldorf/Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung und Kleist-Museum in Verbindung mit dem Wehrhahn-Verlag Hannover. Gefördert von der ALG – Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten.


Shakespeare und Kleist: Genie und Nachahmer?

August Wilhelm Schlegel: Hamlet
Manuskript der Übersetzung, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Ausstellungsdauer: 9. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017

"unser Nachahmer Shakespear's" nannte ein Rezensent des Dramas Die Familie Schroffenstein den Verfasser Heinrich von Kleist. Imitierte Kleist Shakespeare? War Shakespeare das Original und Kleist dessen Kopie? Aber woran erkennen wir Original und Kopie eigentlich? An Hand dieser Fragen beleuchtet die Ausstellung das fast vergessene Verhältnis zwischen diesen beiden Klassikern der Weltliteratur und stellt wertvolle Originale – in materieller Hinsicht: Unikate – und Kopien verschiedener Reproduktionsstufen gegenüber.

Auf den ersten Blick übernimmt, um nicht zu sagen: 'klaut', Kleists Die Familie Schroffenstein die Thematik der Shakespeare-Tragödie Romeo und Julia: Die Kinder verfeindeter Familien lieben sich, erst ihr Tod versöhnt die Eltern. Doch radikalisiert Kleist diese Konstellation dergestalt, dass ein ebenso originales Werk entsteht. Die Unterschiede treten nicht zuletzt auf der Bühne hervor – dies dokumentieren in der Ausstellung Bühnenbildmodelle, Szenenphotos und Mitschnitte ausgewählter Inszenierungen.

Dass Kleist auch andere Shakespeare-Dramen kannte, beweisen Zitate und Anspielungen in seinen Briefen; am häufigsten berief er sich in einer Art Geistesverwandtschaft auf Hamlet. Aller Wahrscheinlichkeit nach las Kleist Shakespeare nicht im Original, sondern in einer deutschen Übersetzung; seine Wortwahl deutet auf die in Blankverse gesetzte Übertragung August Wilhelm Schlegels. Die Ausstellung konfrontiert Kleists Briefzitate – im Original – mit den entsprechenden Passagen der Übersetzungen, die Schlegel als "Kopien" bezeichnete.

In Kleists fiktionalen Werken tauchte der Name Shakespeare ebenfalls auf und zwar als bewunderte, aber auch zu hinterfragende Autorität. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert das Epigramm Der Bewunderer des Shakespear.

            Narr, du prahlst, ich befried'ge Dich nicht! Am Mindervollkommenen

                        Sich erfreuen, zeigt Geist, nicht am Vortrefflichen, an! (Phöbus, 6. Stück)

 
Die über Schlegel vermittelte Beziehung zwischen Shakespeare und Kleist präsentiert sich in der Ausstellung als ein interaktives Spiel zwischen Original und Kopie oder Genie und Nachahmer.

Kuratorin: Barbara Gribnitz

Szenographie: Panatom, Berlin