Abschlussveranstaltungen

Zum 200. Todestag am 21. November 2011 wird es ein umfangreiches Programm geben, durch welches der Literat Heinrich von Kleist umfassend gewürdigt wird und das Kleist-Gedenkjahr einen feierlichen Abschluss erhält.

Die im Anschluss aufgeführten Veranstaltungen werden von der 
Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
 gefördert.


Kongress „Ökonomie des Opfers: Radikale Literatur im Zeichen des Selbstmords“

17. – 19. November 2011
Ort: Collegium Hungaricum Berlin

An letzten Worten ist die Nachwelt interessiert, weil sie als authentische Konfessionen gelten, in denen die Summe des Lebens gezogen wird. Von Todgeweihten erwartet man keine Dichtung, sondern Wahrheit. Auf diesem ‚autobiographischen Pakt’ beruht die ungeheure Wirkung von Kleists Briefen vor seinem Selbstmord, in denen ein seinen Zeitgenossen kaum bekannter Dramatiker und Erzähler seine ‚letzte Chance’ sucht. Denn Kleists Kalkül hier ist der strategische Entwurf eines Autorbildes für die Nachwelt, die Kontrolle der Kommunikation posthum. Der Korpus der letzten Briefe Kleists folgt insofern einer Ökonomie des Opfers, ebenso wie sein heiter-ausgelassener Selbstmord selbst, der als eine zugleich heikle wie grandiose Inszenierung zur Sicherung seines Nachruhms begriffen werden kann. Von den Zeitgenossen, vor allem von Goethe, wurden danach Person und Werk gleichermaßen pathologisiert. Goethes „Schauder und Abscheu“ vor dem hypochondrischen Dichter hält Kleist allerdings überhaupt nur im Gedächtnis. Das verhindert seine Kanonisierung im 19. und ermöglicht sie im 20. Jahrhundert, der Exklusion folgt die Inklusion. Er wird ein „Vorfechter für die Nachwelt“ (Adam Müller), die gegenidealistische Literatur der Moderne entdeckt in ihm ihr Vorbild: Kafka, Musil, Döblin u.a. In einer Tagung zum Abschluß des Kleist-Jahres soll über Kleists Einzelschicksal hinaus gefragt werden, ob es einen fatalen Zusammenhang gibt zwischen Dichtung, die den Erwartungshorizont der Zeitgenossen radikal sprengt, und dem Freitod des Dichters? Beispiele dafür gibt die Frauenliteratur, die Leidensgeschichten von Virginia Woolf (1882-1941) über Sylvia Plath (1932-1963) bis Ann Sexton (1928-1974). Wer monströs als Subjekt aus der Geschichte verschwindet, taucht irgendwann als Objekt von Geschichten wieder auf, erreicht endlich Aufmerksamkeit in Nachrufen, Erzählungen, mündlicher und schriftlicher Historiographie. So paradox funktioniert die Ökonomie des Opfers. Sie zwingt der Nachwelt eine Form des Eingedenkens auf, die effektiv ist, weil alles andere als harmlos, insofern sie Erinnerungsbilder eingraviert in die Wachstafeln der Seele und des Körpers, damit sie lebendig bleiben. Wie man sich das konkret vorzustellen hat, beschreibt Friedrich Nietzsche in der zweiten Abhandlung seiner Genealogie der Moral: „Man brennt Etwas ein, damit es im Gedächtnis bleibt: nur was nicht aufhört, weh zu thun, bleibt im Gedächtnis – das ist ein Hauptsatz aus der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden. [...] Es ging niemals ohne Blut, Martern, Opfer ab, wenn der Mensch es nöthig hielt, sich ein Gedächtnis zu machen.“ mehr


Kleist-Preis 2011. Verleihung des Kleist-Preises 2011 an Sibylle Lewitscharoff

20. November 2011, 11 Uhr
Ort: Berliner Ensemble / Theater am Schiffbauerdamm, Berlin

Laudatio: Martin Mosebach

Grußwort: Prof. Dr. Günter Blamberger,
Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

Der Kleist-Preis wird unterstützt durch den Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien, die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.


Ein Fest für Kleist: Ein Abend mit Kleist-Preisträgern und Laudatoren

20. November 2011, 19.30 Uhr
Ort: Berliner Ensemble / Theater am Schiffbauerdamm, Berlin

Grußwort: Prof. Dr. Günter Blamberger,
Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

Eröffnung durch Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags

Mit den Kleist-Preisträgern Barbara Honigmann, Ulrich Horstmann, Sibylle Lewitscharoff, Martin Mosebach, Albert Ostermaier, Emine Sevgi Özdamar, Dirk von Petersdorff, Hans Joachim Schädlich, Ferdinand von Schirach und Arnold Stadler und den Laudatoren Hermann Beil, Bernd Eilert, Péter Esterházy, Jürgen Flimm, Lars Gustafsson, Walter Hinck, Adolf Muschg und Uwe Wittstock sowie Beiträgen von Peter Fitz, Jürgen Holtz, Veit Schubert, 
Elisabeth Trissenaar und Angela Winkler.

Konzept und Inszenierung: Hermann Beil und Prof. Dr. Günter Blamberger

Der Festakt wird unterstützt durch das Berliner Ensemble und die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.


World Wide Reading

Montag, 21. November 2011

Am 21. November 2011 ist ein weltweiter Lese- und Vortragstag zum Gedenken Kleists geplant, in Verbindungen zu anderen Literatur- und Kulturinstituten und Live-Schaltungen von unterschiedlichsten Orten weltweit nach Berlin (Literarisches Colloquium Berlin, Collegium Hungaricum). mehr


Schlussakt am Grab Heinrich von Kleists mit hochrangiger Beteiligung aus Politik und Gesellschaft

Montag, 21. November 2011

Im Zuge des Kleist-Jahres wird eine Neugestaltung des Kleist-Grabes angestrebt. 

Am Todestag soll es an der Stelle am Kleinen Wannsee in Berlin im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung einen offiziellen Akt mit Lesungen und Reden von Repräsentanten des Berliner Senats, des Bundes sowie der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft geben.


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