Kleistfestival am Maxim Gorki Theater Berlin

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Prinz Friedrich von Homburg (c) Bettina Stöß

Heinrich von Kleist brachte sich am 21. November 1811 durch einen Kopfschuss am kleinen Wannsee um. Es scheint, als wäre der Selbstmord der letzte konsequente Schritt im Leben des Schriftstellers, das aus Widersprüchen, Leidenschaft, Radikalität und kompromissloser Suche bestand. Doch selbst sein Tod, den er zusammen mit seiner Freundin Henriette Vogel beging, scheint noch ein Spiel/ ein Lebenstest mit aller Konsequenz gewesen zu sein: Fast glücklich (ausgestattet mit Kaffee und Rum) tobten die beiden durch die Nacht - alles genauestens inszeniert für den gemeinsamen Schritt.

Das Maxim Gorki Theater Berlin und die Kulturstiftung des Bundes veranstalten anlässlich seines 200. Todestages vom 4. bis 21. November 2011 ein Kleistfestival: Sämtliche Dramen sowie ausgewählte Projekte zu seinem erzählerischen Werk werden zur Aufführung kommen. Zum Festival-Programm auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters zählen, neben den Inszenierungen "Amphitryon", "Der zerbrochne Krug", "Penthesilea", "Prinz Friedrich von Homburg", den Gastspielen der Münchner Kammerspiele ("Der Krieg" mit dem Fragment "Robert Guiskard" und "Die Hermannsschlacht"), auch die Neuinszenierungen "Das Erdbeben in Chili", "Das Käthchen von Heilbronn" und "Die Familie Schroffenstein". In einem umfassenden Rahmenprogramm, werden sich Künstler unterschiedlicher Sparten mit verschiedenen Aspekten und Fragestellungen zu Kleists Werk und Leben auseinandersetzen: Mit Vorträgen, Seminaren, Konzerten, Inszenierungen im öffentlichen Raum, Lesungen, Filmvorführungen, Workshops und vielem mehr. Im Laufe des Kleist-Jahres 2011, außerhalb des Festivalzeitraums, sind Gastspiele in Frankfurt /Oder geplant.

Das Maxim Gorki Theater Berlin fühlt sich, insbesondere seit der Intendanz von Armin Petras, dem Schaffen von Kleist verpflichtet; das spiegelt sich in der Präsenz seiner Dramen im Spielplan, wobei die thematischen Verbindungen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen im Vordergrund stehen.

Kleists weltanschauliche Überzeugungen speisen sich aus den Diskursen seiner Zeit: aus den Idealen der Aufklärung, ihrer philosophischen Kritik, den Wirren der französischen Revolution und ihren politischen Auswirkungen auf Preußen.

Einstürzende Welten und Weltbilder begreift Kleist als Chance für einen Neuanfang - dem er jedoch nie trauen würde. Selbst Frieden ist für ihn nicht mehr als ein Waffenstillstand.

Für Kleist gibt es keinen Unterschied zwischen dargestellter, gedeuteter und tatsächlicher Welt, Kunst und Leben lassen sich nicht trennen. In seinen Werken zeichnet er eine nicht zu entschlüsselnde, verwirrte Welt, ein "gebrechliches" Sein, das sich einer logischen Erklärung oder Erkennbarkeit entzieht. Diese Weltsicht macht ihn und seine Kunst bis heute gegenwärtig und brisant.

Kleist-Festival am Maxim Gorki Theater Berlin

Veranstaltungsort und -zeitraum:
Maxim Gorki Theater Berlin
4. - 21. November 2011

Außerdem sind im Rahmen des Kleist-Jahres 2011 Gastspiele des Maxim Gorki Theaters in Frakfurt Oder geplant. Am 4. März 2011 zeigen wir das Gastspiel "Das Erdbeben in Chili" in Frankfurt Oder.

Kurator:
Arved Schultze
Produktionsleitung:

Julian Kamphausen

Kontakt: 
Maxim Gorki Theater Berlin 
Am Festungsgraben 2 
10117 Berlin

kleist@gorki.de
www.gorki.de


Gefördert durch die

Kulturstiftung