PD Dr. Peter Riedl
Universität Freiburg
Deutsches Seminar
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1. Wann und wie ist Ihnen Heinrich von Kleist zum ersten Mal begegnet?
Im Alter von 14 oder 15 Jahren las ich erstmals Michael Kohlhaas – der Beginn einer großen Leidenschaft.

2. Was schätzen Sie besonders an ihm?

Die Präzision und Poesie seiner Sprache.

3. Gibt es etwas bei Kleist, das Sie ärgert oder das Ihnen gar nicht gefällt?

Kleists Bellizismus. Gerade weil mir dieser Bellizismus so fern steht, erforsche ich ihn gründlich. Es handelt sich um einen überaus produktiven Widerstand.

4. Angenommen, Sie hätten einen Tag mit Kleist in unserer Gegenwart – was würden Sie gemeinsam unternehmen?
Jedenfalls keinen Ausflug zum Kleinen Wannsee.

5. Worüber würden Sie gerne mit Kleist sprechen?

Über seine Würzburger Reise.

6. Welche Figur aus seinem Werk steht Ihnen besonders nah und warum?
Lisbeth. Die Frau von Michael Kohlhaas verfügt gleichermaßen über Rechtsbewußtsein und eine ausgeprägte Verantwortungsethik.

7. Als Zeitgenosse von Kleist – hätten Sie den Selbstmord verhindern wollen? Wie?

Gewiß, aber Kleist war auf Erden wohl wirklich nicht zu helfen – nicht einmal von mir.

8. Was ist Ihrer Meinung nach die passende „Einsteiger-Lektüre“ für Kleist-Neulinge?
Michael Kohlhaas (wenn schon, denn schon: s. Antwort 1)

9. Was können wir von Kleist lernen?

Radikalität und Konsequenz (beides sei allerdings nur bedingt zur Nachahmung empfohlen)

10. Wären Sie gern mit Kleist befreundet, wenn er noch lebte?

Ja, obgleich mir vor den Folgen schauderte.

11. Das stärkste Zitat von oder über Kleist?

„Wenn die Geister des Aeschylos, Sophokles und Shakespear sich vereinigten eine Tragödie zu schaffen, sie würde das seyn was Kleists Tod Guiscards des Normanns, sofern das Ganze demjenigen entspräche, was er mich damals hören ließ. Von diesem Augenblicke an war es bei mir entschieden, Kleist sei dazu geboren, die große Lücke in unserer dermaligen Literatur auszufüllen, die (nach meiner Meinung wenigstens) selbst von Göthe und Schiller noch nicht ausgefüllt worden ist; und Sie stellen sich leicht vor, wie eifrig ich nunmehr an ihm war, um ihn zur Vollendung des Werks zu bewegen.“
(Christoph Martin Wieland an Georg Christian Wedekind, 10. April 1804)

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