Herrmann's Battle

© ddp images/AP Photo/Emilio Morenatti

Kleist von Rimini Protokoll (Helgard Haug und Daniel Wetzel )

Was ist ein Angriff im Netz? Wie lockt man ein Computersystem in einen Hinterhalt? Wie werden aus Spielern Krieger und welcher ideologischen Instrumente bedienen sie sich? 

In Heinrich von Kleists "Die Herrmannsschlacht" werden Guerilla-Taktik und Propaganda ins Heldendrama verabsolutiert. Der Freiheitskampf wird als Ziel formuliert, dem alles andere und alle Anderen untergeordnet werden sollen. „Herrmann’s Battle“ bittet Menschen auf die Bühne, die dieser wiederkehrenden Beschwörungsformel ihre eigenen Erfahrungen entgegenhalten:
Eine junge Frau auf dem Flug in die Heimatstadt ihrer Familie, Kairo, ins Zentrum des Aufstands. Vom Handy aus stellt sie letzte Neuigkeiten auf ihre facebook-Seite, bevor sie in der Zone der weltweit ersten nationalen Total-Abschaltung des Internets landet. Aus der Euphorie der Anreise wird große Skepsis, aus der facebook-Gemeinde ein zerstrittenes Lückennetz - und die "Freiheit"? Eine ältere Frau, in Berliner Nächten verfolgt von den Erinnerungen an die höllischen Erfahrungen in Srebrenica - an drei Jahre der Gefangenschaft im Heckenschützen-Ring eines überraschend aus der Mitte der Nachbarschaft ausgebrochenen Faschismus. Ein junger Hacker, der erst den USA, dann Israel den Rücken kehrt und die Extreme der Möglichkeiten auslotet, die das Internet an anonymem Geldverkehr, verschlüsselten Märkten und der totalen Tarnung bis hin zur "Freiheit" bietet. Ein Hacker-Veteran, der das Internet als Ort des unauslöschbaren Gedächtnisses nutzt und auf Zeitreise durch die jungen, ungeschützten Datennetze von Hochsicherheits-Institutionen geht. 

Helgard Haug und Daniel Wetzel unternehmen nach „Wallenstein“, „Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ und „Breaking News“ ein weiteres Theater-Abenteuer, bei dem sie die Biografie der Experten in Kollisionskurs bringen mit einem Text, dessen Radikalität die Belange des Individuums überrennt. 

Eginhardt: ...Ganz Teutoburg siehst du in Schutt und Asche. - Herrmann: Mag sein! Wir bauen uns ein schön‘res auf!

Von:
Helgard Haug / Daniel Wetzel

Mit:
Barbara Bishay – facebook-(counter)-Revolutionärin
Remzija Suljić - mutige Frau aus Srebrenica
Nathan Fain – hardware reverse engineer
Peter Glaser– ccc Veteran
Käpt'n Rummelsnuff – Eisenkumpel, Strommusik
Karl-Christoph von Stünzner-Karbe – Heimkehrer, Oberst a.D.

Recherche und Dramaturgie: Sebastian Brünger
Bühne: Folke Köbberling und Martin Kaltwasser
Bühne-Mitarbeit, Licht, Video: Marc Jungreithmeier
Recherche und Regieassistenz: Juliane Hahn
Musik: Christian Schöfer
Live-Musik: Rummelsnuff
Animationen: Riedel&Ulfig
Mitarbeit: Mathilde Benignus und Jonas Heldt
Produktionsleitung: Katja Sonnemann

Uraufführung:             

20. Oktober 2011, Kleist Forum Frankfurt (Oder)

Weitere Vorstellungen:

14. bis 18. November 2011, Hebbel am Ufer, Berlin
2. und 3. Dezember 2011, Staatsschauspiel Dresden (weitere Termine in 2012)

15. und 16. Dezember 2011, Comédie de Reims / Reims Festival Scènes d'Europe

Eine Produktion von Rimini Apparat in Koproduktion mit dem Hebbel am Ufer, Berlin, dem Staatsschauspiel Dresden und der Comédie de Reims / Reims Festival Scènes d'Europe. In Zusammenarbeit mit der Messe und Veranstaltungs GmbH Frankfurt (Oder).

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes im Kleist-Jahr 2011 und den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten.

Aufführungsrechte:

schaefersphilippen Theater und Medien GbR

Kontakt:

Rimini Protokoll
Produktionsbüro c/o Hebbel am Ufer / HAU 1
Stresemannstraße 29
10963 Berlin

sonnemann@rimini-protokoll.de
www.rimini-protokoll.de

Gefördert durch die

Kulturstiftung